Einführung
Die aktuelle Waldlosigkeit Südtibets galt als klimabedingt natürlich. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit finanzierte Projekt "Experimentelle und standortkundliche Untersuchungen zum Waldpotenzial des südtibetischen Trockengebiets" untersucht die Waldfähigkeit in Hochgebirgshalbwüsten des altweltlichen Trockengürtels am Beispiel Südtibet. Ziel dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekts zur Umweltgeschichte und Ressourcenerneuerung ist es, die wissenschaftlichen Grundlagen für Wiederaufforstungsmaßnahmen mit einheimischen Baumarten ohne zusätzliche Bewässerung zu liefern.
Im Zuge geographischer Umweltforschung sollen mit diesem Projekt die Grundlagen zur Verbesserung der Lebensbedingungen in ländlichen Gebieten Südtibets erarbeitet werden.
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 Wacholderbaum in Südtibet
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Gegenstand meiner Arbeit ist nun also die potenzielle Wacholderwaldverbreitung im Süden Tibets, exemplarisch dargestellt anhand folgender Gebiete: rund um die Stadt Lhasa mit den Koordinaten 29°20'-29°50'N/90°30'-91°30'E und rund um den Yamco Yumco (Ringsee) mit den Koordinaten 28°40'-29°20'N/90°00'-91°30'E. Zur besseren Orientierung verweise ich auf die topographische Übersichtskarte.
In den vergangenen Jahrzehnten ist Tibet insbesondere unter dem Einfluß der chinesischen Politik zunehmend verarmt, und traditionelle Strukturen sind zerbrochen.
Im Süden besteht Tibet überwiegend aus Halbwüste mit Jahresniederschlägen von nur wenig über 300 mm. Auf den kargen Schuttflächen, die allenfalls Rohböden tragen, gedeihen anspruchslose und langsamwachsende Wacholderarten. Ihr hartes Holz besitzt einen hohen Brennwert und wird von der einheimischen Bevölkerung notgedrungen zum Kochen und Heizen verwendet. Ein vergleichsweise geringer Prozentsatz fällt der Abhaltung religiöser Zeremonien zum Opfer. Die Vernichtung der einstigen Waldbestände wurde zudem durch den Brennholzbedarf chinesischer Garnisonen vorangetrieben.
Einige wenige Bäume haben z. T. nur deshalb bis heute überlebt, weil sie in den heiligen Hainen der Klöster stehen und dort manchmal selbst Ziel von Wallfahrten sind. Diese Bäume gelten als Wohnstätten von Geistern und Gottheiten. Auf Grund dessen spricht man auch von den "heiligen Wäldern" Tibets.
Es geht nun um die These, daß in Südtibet ohne den Einfluß des Menschen und seiner Tiere (Beeinträchtigung sowie Zerstörung durch Verbiß und Viehtritt) ein mehr oder weniger geschlossener Wald stünde. Untersuchungen von Herrn Prof. Dr. G. Miehe und Frau Dr. S. Miehe beispielsweise haben ergeben, daß Wacholderbäume reliktisch selbst auf Extremstandorten vorkommen.
Anhand der im folgenden Abschnitt erläuterten Datengrundlagen habe ich mit Hilfe des Geographischen Informationssytems GRASS hypothetische Karten erstellt, welche zeigen, wie die Waldverbreitung aussehen könnte und wo sich Wiederaufforstung unter bestimmten Bedingungen gegebenenfalls lohnen würde. Es handelt sich hierbei um interpolierte Daten, verschnitten mit den entsprechenden digitalen Geländemodellen, die zu erstellen den verhältnismäßig größten Arbeitsaufwand bedeutet hat.
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