Auswertung



Potenzielle Wacholderwaldverbreitung im Yamco Yumco-Areal.


Legende

Potenzielle Wacholderwaldverbreitung im Lhasa-Areal.



Legende


Die Karten der beiden Areale "Yamco Yumco" und "Lhasa" zeigen auf der Basis des jeweiligen DGM potenzielle Standorte für Juniperus convallium und Juniperus tibetica, dargestellt anhand verschiedener Farben, welche Art und Klassifikationstyp kenntlich machen. Rot steht für die Verbreitung von Juniperus convallium in Haupttälern (HTT=Haupttaltyp), Orange für die Verbreitung von Juniperus convallium und Juniperus tibetica in Haupttälern (Überschneidungsbereich), Grün für die Verbreitung von Juniperus tibetica in Seitentälern (STT=Seitentaltyp) und Türkis für die Verbreitung von Juniperus tibetica im Seebecken des Yamco Yumco (YYT=Yamco Yumco-Typ).

Vorweg muß konstatiert werden, daß die beiden Karten selbstverständlich den aktuellen Forschungsstand widerspiegeln, welcher schließlich die von mir verwendeten Datengrundlagen bildet. Nun ermöglichen meine Karten allerdings eine direkte Ansprache der für eine Wiederaufforstung in Frage kommenden Gebiete. Neu ist auch, daß sich die prozentualen Flächenanteile der potenziell waldfähigen Gebiete konkret berechnen lassen. So können Kosten, Zeit und Arbeitsaufwand für weiträumige Wiederaufforstungsmaßnahmen abgeschätzt werden. Schon auf den ersten Blick wird klar, daß solche sich offensichtlich lohnen würden. Folgende Zahlen können diesen vorläufigen Eindruck bestätigen:

Die Gesamtfläche des "Yamco Yumco-Areals" umfaßt rund 11730 km². Die potenziell bewaldete Fläche nimmt bei einem durchschnittlichen Höhenniveau (bezogen auf die Gesamtfläche) von ca. 4728 m über NN rund 2628 km² und damit ca. 22,4% ein.

Die Gesamtfläche des "Lhasa-Areals" umfaßt rund 4576 km². Die potenziell bewaldete Fläche nimmt bei einem durchschnittlichen Höhenniveau (ebenfalls bezogen auf die Gesamtfläche) von ca. 4626 m über NN rund 1620 km² und damit ca. 35,4% ein.

Die Aussagefähigkeit des durchschnittlichen Höhenniveaus ist dabei allerdings beschränkt, weil es darauf ankommt, wie gleichmäßig die einzelnen Höhenstufen verteilt sind. Das "Lhasa-Areal" beispielsweise wird von einem breiten Talsytem (Kyi Chu) durchzogen, welches eine relativ niedrige Ausgangsbasis (3600 m über NN) hat und damit der Verbreitung des Haupttaltyps mit seiner großen Vertikalamplitude (3600-4850 m über NN) viel Raum gibt. Im "Yamco Yumco-Areal" allerdings läßt der Einfluß des Sees die durchschnittliche Verbreitungsobergrenze von Juniperus tibetica von ca. 4575 m über NN (HTT) auf ca. 4732 m über NN (YYT) steigen und erhöht somit den Flächenanteil potenziell bewaldeter Gebiete. Trotzdem liegt deren Anteil im "Lhasa-Areal" deutlich höher (ca. 37%), weshalb das durchschnittliche Höhenniveau zumindest eine gewisse Rolle bezüglich der differierenden Anteile spielen dürfte.

Zur Berechnung der soeben angeführten Zahlen diente mir das GRASS-Modul r.univar. Es ermöglicht die Abfrage von Kartenstatistiken. Mit Hilfe von r.mask lassen sich außerdem bestimmte Bereiche ausmaskieren, um sie anschließend weiterbearbeiten zu können.

Wenn man den Stand der Forschung betrachtet, so läßt sich folgendes festhalten: Da die anzunehmende Trockengrenze von Juniperus tibetica (ca. 250 mm/a) in keiner Lage des "Lhasa-Areals" erreicht wird, sondern die jährlichen Niederschlagssummen sogar in der Leelage Chirongs mit ca. 385 mm/a immer noch deutlich darüber liegen, kann die Waldfähigkeit für diese Art auf allen markierten Flächen als sicher gelten. Auch die Trockengrenze von Juniperus convallium dürfte noch über den im "Lhasa-Areal" vorkommenden Minimalwerten liegen. Der Kältegrenze kommt bei Juniperus convallium eine größere Bedeutung zu. Sie liegt auf Nordhängen (Lee- und Schattenlagen) in ca. 4250 m über NN. Auch hier betragen die durchschnittlichen Jahresniederschlagssummen noch immer um die 600 mm (generalisiert).

Fest steht, daß Juniperus convallium auf Südhängen bis in Höhen von ca. 4650 m über NN vorstoßen kann (nur HTT) und dort mit einer durchschnittlichen Jahresniederschlagssumme von über 650 mm zu rechnen ist.

Juniperus tibetica erreicht auf Südhängen im Einflußbereich der Haupttäler (HTT) Höhen von bis zu 4850 m über NN bei einer durchschnittlichen Jahresniederschlagssumme von annähernd 700 mm und im Einflußbereich der Seitentäler (STT) Höhen von bis zu 4700 m über NN bei einer durchschnittlichen Jahresniederschlagssumme von über 660 mm.

Da beim Seitentaltyp von Juniperus tibetica nordexponierte Standorte fehlen, ist davon auszugehen, daß die Niederschläge dort nicht ausreichen, um die fehlende Besonnung teilweise zu kompensieren. Für Juniperus convallium ist es in Seitentälern generell mangels Besonnung aufgrund größerer Beschattung durch Wolken zu kalt. Geringere Niederschläge und Besonnung sind auch der Grund dafür, daß die durchschnittliche Verbreitungsobergrenze von Juniperus tibetica in Seitentälern (ca. 4230 m über NN) um 345 m niedriger liegt als in Haupttälern (ca. 4575 m über NN).

Ähnliches gilt für das "Yamco Yumco-Areal". Auch im trockenen Seebecken liegen die durchschnittlichen Jahresniederschlagssummen noch größtenteils über 300 mm und damit ebenfalls über dem Schwellenwert von 250 mm (bezogen auf Juniperus tibetica, welche hier wegen des großen Höhenniveaus absolut dominant ist).

Offensichtlich hat der See einen positiven Einfluß auf das lokale Klima, denn sonst würde die durchnittliche Verbreitungsobergrenze von Juniperus tibetica (4732 m über NN) nicht deutlich höher liegen als in den übrigen Gebieten (Haupttäler: 4575 m über NN, Seitentäler: 4230 m über NN).

Juniperus tibetica benötigt bei extrem kalten Wintern (tiefe Temperaturminima) durchschnittliche Jahresniederschläge von mindestens 440 mm, um sich noch behaupten zu können. Möglicherweise dämpft der See (puffernde Wirkung durch langsame Abgabe gespeicherter Wärme) die winterlichen Temperaturen so stark, daß Juniperus tibetica hier mit durchschnittlichen Jahresniederschlägen von z. T. unter 300 mm (Halbinsel innerhalb des Yamco Yumco) auskommt. Außerdem sind die Hänge innerhalb des Seebeckens relativ gering geneigt, was eine gleichmäßigere Sonnenbestrahlung zur Folge hat. Juniperus tibetica kann dadurch auf allen Hangexpositionen in große Höhen vorstoßen.